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Explizites & implizites Lernen

Das explizite System bezeichnet Lernen als bewussten Prozess. Die Lernenden wissen, dass sie lernen.

 

Und in diesem expliziten System gibt es eine Korrelation zwischen Alter und IQ. Das bedeutet, dass es beispielsweise bei expliziten Anweisungen von dem IQ (und dem Alter) der Lernenden abhängt, ob etwas verstanden und gelernt wird oder nicht.

Das implizite System beinhaltet keinen bewussten Prozess, sondern ist unbewusst oder unbeabsichtigt.

 

Interessanterweise gibt es in diesem impliziten System keine Korrelation zwischen Alter und IQ. Es spielt also keine Rolle, wie hoch der IQ der Lernenden ist. Darüber hinaus ist das implizite Wissen länger abrufbar als das explizite Wissen.

Unser Gehirn ist in der Lage, Muster aus Informationen zu entdecken und daraus zu lernen.

Das Unterscheidungsmerkmal dieser Systeme ist also, ob das Lernen bewusst geschieht oder nicht. Damit ist auf den ersten Blick alles, was an einer Schule passiert, auch explizites Lernen. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir in der Schule sind und lernen.

Explizites Lernen beinhaltet logischerweise Formen der Gestaltung und Deduktion – also der Ableitung vom Allgemeinen auf den Einzelfall. Erkenntnisse werden aus Regeln und Vorschriften gewonnen.

 

In vielen Fällen ist dieses explizite Wissen nicht wirklich nützlich: In spontanen Interaktionen haben wir keine Zeit, an die Regeln für die Satzbildung zu denken und darauf basierende Sätze zu konstruieren.

 

Dieses explizite Wissen muss zu implizitem Wissen führen, das automatisiert und intuitiv genutzt werden kann, um effektiv zu kommunizieren.

Aus dieser Sicht findet das explizite Lernen in der Schule und anderen Bildungskontexten statt; das implizite Wissen außerhalb dieser Kontexte (wie bei dem Erlernen der Muttersprache). Auf den ersten Blick scheint es jedoch unmöglich, massive sprachliche Immersion in schulischen Situationen umzusetzen.

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Sprachliche Immersion

Lernen durch Immersion bedeutet, dass Lernende einer neuen Umgebung – hier dem Erlernen einer neuen Sprache – ausgesetzt sind.

 

Das Lernen der neuen Sprache erfolgt wie das Erlernen der Muttersprache – auf ganz natürliche Weise ohne Druck und lästigem Grammatiklernen.

Die Lernenden werden mit vielen, ihnen noch unbekannten, Wörtern, Buchstaben und Lauten konfrontiert. Je nach Aufgabe verläuft das Lernen neuer Vokabeln implizit.

Das implizite Erlernen einer Sprache, beispielsweise der Muttersprache eines Kindes, ist also mit einer massiven sprachlichen Immersion verbunden:

 

Lernende werden über Jahre mit allen möglichen sprachlichen Ausdrücken in einer solchen Menge konfrontiert, die zum Lernen führt.

 

Unser Gehirn erkennt Muster aus dieser massiven sprachlichen Immersion.

Sprachliche Immersion ist unkontrolliert.

Neue Erkenntnisse werden anhand von Beispielen gewonnen und aus diesen Beispielen wird Wissen abgeleitet.